Vom 24. Oktober bis zum 1. November 2026 fand die Offene Hamburger Senioren-Einzelmeisterschaft statt. Gespielt wurde im Clubheim des SC Königsspringer in Hamburg-Schnelsen. Aufgrund der Räumlichkeiten waren max. 68 Spieler zugelassen. Durch einige kurzfristige Absagen waren letztlich 63 Teilnehmer dabei. Für mich war es die erste Teilnahme an diesem Turnier.
In der ersten Runde hatte ich Schwarz gegen einen Spieler aus Sasel mit ELO 1736. Nachdem er in eine gedrückte Stellung geriet, entschied sich mein Gegner zu einem Springeropfer für zwei Bauern. Als aber zwei Züge später eine zweite Figur „abhanden“ kam, gab er auf. Ein relativ lockerer Aufgalopp. Die zweite Runde mit Weiß gegen ELO 1867 umgekehrte Vorzeichen: Ich stand die ganze Zeit ziemlich passiv, konnte mich dann aber befreien und lehnte ein Remis-Angebot ab. Und prompt stellte ich wenige Züge später einen Springer ein. Mein Gegner unterschätzte aber einen vorgerückten Freibauern, den ich durch eine kleine taktische Kombination in eine Dame umwandeln konnte. Glück gehabt! Die Runde 3 hielt ein „Alt-Buxtehuder-Duell“ bereit. Mein Gegner hat lange Jahre bei der damaligen Buxtehuder SG gespielt, ist nach deren Auflösung zum FC St. Pauli gewechselt. Mit ELO 2105 war er bei diesem Turnier an Position 4 gesetzt. Mit Weiß setzte er mich stark unter Druck, opferte eine Qualität und attackierte meinen im Zentrum verbliebenen König mit Turm und einem riesigen Läuferpaar. Irgendwie fand er aber nicht den Knock-Out und ich konnte tatsächlich ein Endspiel mit Mehr-Qualität erreichen. Aber auch ich fand den Gewinnweg nicht und die Partie endete nach viereinhalb Stunden Spielzeit Remis. In der 4. Runde saß mir ein Spieler mit ELO 2027 gegenüber, der, nachdem er im Ruhestand ist, noch Trainerstunden bei einem Großmeister nimmt. Trotz aller Gegenwehr konnte er schließlich nach 60 Zügen sein Läuferpaar gewinnbringend einsetzen. Am nächsten Tag wartete der nächste „Paulianer“ (ELO 1904) auf mich. Dieses Mal konnte ich mit Schwarz den passiven weißen Aufbau bestrafen und den vollen Punkt einsammeln. 3 ½ Punkte nach 5 Runden ist nicht sooo schlecht. Die nächste Runde setzte ich dann allerdings aus. An diesem Tag wurde die langjährige Buxtehuder Bürgermeisterin verabschiedet, wozu ich eine persönliche Einladung erhalten hatte. Und das war mir natürlich wichtiger, als eine Schachpartie! Danach traf ich wieder auf einen ehemaligen Bezirks-Spieler (ELO 1904), diesmal aus Cuxhaven, jetzt beim Volksdorfer SK. Um möglichen Vorbereitungen aus dem Weg zu gehen, entschied ich mich für die Englische Eröffnung. In einer klar vorteilhaften Stellung hatte ich mir eine Kombination mit Scheinopfer zurecht gelegt, die mir mindestens einen oder zwei Bauern eingebracht hätte. Allerdings machte ich einen Abwartezug, um die Königssicherheit zu verbessern. Dieses fehlende Tempo wurde mir dann aber zum Verhängnis, mein Gegner konnte eine Stellungswiederholung erzwingen. Ärgerlich! Die vorletzte Runde sah mich mit Schwarz gegen einen Spieler vom ausrichtenden Verein (ELO 2031). Gegen den Panow-Angriff im Caro-Kann spielte ich zu vorsichtig und musste mich nach 41 Zügen geschlagen geben. In der letzten Runde traf ich erneut auf einen Spieler aus Sasel (ELO 1727) – so schließt sich der Kreis. Mit meinem geliebten Sämisch-Angriff musste ich geduldig manövrieren, bis sich eine Lücke im schwarzen Verteidigungsbollwerk ergab. Aber schließlich konnte ich meinen Gegner doch zu einem voreiligen Bauernzug „überreden“, wonach die Partie schnell zu Ende war.
Mein Score: 4 x gewonnen, 2 x Remis, 2 x verloren. Macht insgesamt 5,0 Punkte aus 8 Runden, was in der Endtabelle Platz 24 bedeutete. Aber sowohl bei der ELO als auch bei der DWZ konnte ich ein paar Pünktchen plus verbuchen.
Das Turnier war gut organisiert: Die Ergebnisse und die neuen Auslosungen waren schnell da und alle Partien wurden erfasst und online zur Verfügung gestellt. Dazu gab‘s morgens belegte Brötchen und nachmittags selbstgebackenen Kuchen. Was braucht ein Schachspieler mehr?!
Ralf Schöngart




