Vom 16.07. bis 26.07.2026 ereignete sich im Internationalen Congress Center in Dresden das Deutsche Schachhiglight 2026. Nach ein paar Jahren Pause wurde nämlich wieder ein Schachgipfel ausgerichtet, in dessen Rahmen 13 verschiedene Deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden. Mit dabei einige große Namen der Deutschen Schachszene, wie beispielsweise Rasmus Svane oder Niclas Huschenbeth. In diesem Jahr war aber mit mir selbst (Justus Ibe) auch ein SFB’er mit von der Partie. Durch das Erreichen des Halbfinals im NSV-Dähnepokal konnte ich mich als Nachrücker für die Deutsche Pokaleinzelmeisterschaft (DPEM) qualifizieren. Hierbei gingen 32 Schachspieler aus den 17 Landesverbänden und dem Deutschen Schachbund für Blinde und Sehbehinderte an den Start und kämpften in 5 Runden zunächst im KO-System um den Titel. Die ausgeschiedenen Spieler mussten aber nicht abreisen, sondern spielten im B-Pokal nach Schweizer System die weiteren Platzierungen aus. Mit einer Elo von 1918 ging ich als viertletzter der Setzliste ins Rennen. Für die Paarungsermittlung war das aber nicht von weiterer Bedeutung, da die Startnummern, wie im KO-Turnier typisch, ausgelost wurden. Nun aber zu meinem Turnierverlauf:
In der ersten Runde bekam ich es mit Weiß mit dem Sieger des NRW-Dähnepokals zu tun (Elo 2128). Hierbei kam ich sehr gut aus der Eröffnung raus und erarbeitete mir eine bessere bis klar bessere Stellung. In einem kurzen Moment der Unachtsamkeit stellte ich die Partie durch das Übersehen einer einzügigen Springergabel ein.
Daraufhin musste ich mit den Schwarzen Steinen gegen einen Gegner mit einer Elo von 2176 ran, der lustigerweise die gleiche Eröffnung spielte, die ich auch gerne spiele. Durch mehrere kleine Ungenauigkeiten im Mittelspiel kam ich in eine nachteilige Stellung. Im Endspiel hoffte ich aber noch auf einen Trick und opferte einen Springer, um beide Türme auf die gegnerische siebte Reihe zu bekommen. In einer Situation hätte es bei korrektem Spiel meinerseits sogar ein Dauerschach gegeben, was ich aber in hochgradiger Zeitnot nicht richtig berechnen konnte. Im 39. Zug verlor ich schließlich in bereits aussichtsloser Stellung auf Zeit.
2079 war die Elo meines Drittrundengegners. Gegen 1.d4 wählte mein Gegner die Holländische Verteidigung und wiederum stand ich nach der Eröffnung sehr angenehm. Im Mittelspiel gelang es mir schließlich, meinen Gegner zu überspielen und eine gewonnen Stellung zu erreichen. Irgendwie fand ich aber keinen Gewinnweg und verbaselte die Stellung zunächst in eine ausgeglichene Stellung, wo ich schließlich auch mit einem Remis zufrieden wäre. Ich verzählte mich jedoch bei einer Zugwiederholung und übersah so, dass eine Stellung bereits dreimal auf dem Brett gewesen war und verpasste damit die Chance, auf Remis zu reklamieren. Mein Gegner spielte weiter und in der Folge verzockte ich die Stellung noch in ein verlorenes Turmendspiel.
In der vierten Runde spielte ich gegen den letzten Platz der Setzliste (Elo 1654) meine wohl schlechteste Partie des Turniers. Zuerst spielte ich die Eröffnung mit Weiß viel zu ambitionslos, um dann später eine klare Remisstellung zu überziehen. Das Glück hatte mich aber anscheinend doch noch nicht ganz verlassen, denn durch einen ungeschickten Abtausch meines Gegners entstand schlussendlich doch noch ein ausgeglichenes Turmendspiel und ich holte mit einem Remis meinen ersten halben Punkt.
Zum Abschluss bekam ich es mit einem Fidemeister mit einer Elo von 2159 zu tun. Mit Schwarz unterlief mir in der Eröffnung eine kleine Ungenauigkeit, durch welche ich eine sehr passive Stellung erreichte. Ich verteidigte mich aber mit Umsicht und Geduld. Mein Gegner bekam zwar einen Minoritätsangriff aus dem Bilderbuch aufs Brett, der entstehende rückständige Bauer war jedoch meine einzige Schwäche. Daher versuchte mein Gegner noch ein Bauernopfer, um einen Zentrumsdurchbruch zu erlangen, den er mit einem Turmopfer für zwei verbundene Freibauern auf der 6. Reihe krönte. Ich opferte jedoch einen Turm zurück und konnte das entstandene Turmendspiel Remis halten.
Am Abend fand dann noch ein Abschlussbankett mit der Siegerehrung der verschiedenen Meisterschaften statt, dass dieses schöne Event gelungen abgerundet hat.
Mit schlussendlich 1/5 bin ich zweiter von hinten geworden und konnte ein ordentliches Minus bei der DWZ und ein moderates Minus bei der Elo verbuchen. Auch wenn es ergebnistechnisch für mich eher schlecht gelaufen ist, und die Niederlagen der 1. und 3. Runde natürlich sehr bitter waren, hat mit das Turnier in wirklich schönen Räumlichkeiten sehr viel Spaß gemacht und war eine herausragende Möglichkeit, Turnierpraxis gegen starke Gegner zu sammeln.
Justus Ibe